Veröffentlicht in Leben

Post, die Hoffnung macht

Heute flatterte mir die Mail einer Leserin in den Posteingang. Sie schrieb, sie hätte den zweiten Band der Ostseetrilogie in ihrer Bücherei ausgeliehen. Und da hätte jemand das Rezept für Nicholas‘ Suppe einfach herausgerissen und mitgenommen. Nun bat sie mich, ihr eine Kopie der Seite zu schicken, damit sie diese ausdrucken und wieder in das Buch einkleben könne.

Das habe ich natürlich gern getan. Und es hat mich berührt. Dass da sich jemand entschlossen daran macht, eine im Grunde unbedeutende Kleinigkeit in seiner Umgebung ohne Aufhebens wieder in Ordnung zu bringen. Einfach so. Wenn wir das alle täten, egal worum es geht, wäre die Welt ein ganzes Stück besser. Das macht mir Hoffnung, gerade jetzt. Ich habe die Hoffnung in die Menschen noch nie aufgegeben. Und doch tut es gut, so etwas zu erleben, weil es nämlich zeigt, dass meine Hoffnung begründet ist.

Danke, Britta.

Veröffentlicht in Leben

Stürmische Recherche

Zwischen zwei Manuskripten gilt es zu recherchieren, auch vor Ort. Ebenso aber, auch mal an einem Lieblingsort den Kopf freizubekommen. Recherche bei Sturm gestaltet sich schwierig, dafür pustet der Wind wirklich alle Spinnweben aus dem Gehirn.

Wenn dann am Lieblingsort noch der Lieblingsmensch dabei ist und die tiefe Freude an der Schönheit unseres Landes teilt, dann fehlen auch einer Schriftstellerin die Worte. Außer vielleicht: DANKE!

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Horizonterweiterung

Ich feiere den Anfang eines neuen Projekts mit einer Verbesserung des Arbeitsplatzes: Neuer Monitor! Da eröffnen sich Welten. Dazu eine schöne, stabileTastatur mit Erleuchtung, einem leisen, weichen Anschlag, einer Taste zum Diktieren und einer für Screenshots. Alles was ich für die Recherche und das Schreiben brauche. Der schöne Nebeneffekt ist, dass ich auch die Fotos meines Lebensfreudegefährten auf dem großen Bildschirm besser sehen kann. Vor allem mit der neuen Arbeitsbrille.

Das alles hat mir soviel Schwung gegeben und Mut gemacht, dass ich heute das Exposé von Band 2 an den Verlag geschickt habe. Nun bin ich gespannt, was wir zusammen wieder für eine Geschichte weben werden.

Veröffentlicht in Leben

Wieder Menschen zusammenbasteln


Einen Plan für ein neues Buch machen ist wie eine der Lachmöwen in dem Gewusel über längere Zeit im Blick zu behalten. Die Menschen tauchen von selbst in meinem Kopf auf oder stammen aus einer vorherigen Geschichte, und sie erzählen mir mit Nachdruck, Selbstbewusstsein und Deutlichkeit ihr Leben. Aber das alles zusammenzubekommen, so dass es ein verständliches Bild ergibt, und zu verstehen, wie es zeitlich zusammenpasst – das ist ein Rätsel, das mir anfangs den Schweiß auf die Stirn treibt und anstrengende Träume verursacht. Ein tausend-Teile-Puzzle auf dem Teppich des Gehirns. Ein dreidimensionales Gebilde, auf welches das Licht immer wieder anders fällt, je nach Laune der teilnehmenden Personen. Kaum glaube ich, den Überblick zu haben, stellt sich heraus, dass jemand fehlt. Oder es kommt ein ganz anderer hereinspaziert. Und diesmal sind zwei wichtige Dinge verschwunden und keiner der Handelnden verrät mir, wie es dazu kommen konnte.

Aber am Ende steht eines Tages immer ein fertiges Buch. Weil diese Menschen in der Geschichte mir helfen, alles zusammenzusetzen, und keine Ruhe geben, ehe es nicht gelungen ist.

Also hier mal ein vorsichtig hoffnungsvolles Dankeschön an alle, die hier gerade in meinen Gedanken durcheinanderlaufen und quasselnd vordrängeln. Fahrt die Ellenbogen ein, sprecht leiser und stellt euch geduldig an. Dann wird das schon.

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Spuren legen

Ehe ich das Manuskript abgebe, gilt es, noch ein Samenkorn hineinzupflanzen, aus dem Band 2 entstehen könnte. So eine Buchreihe, das ist wie ein Garten. Ein Detail oder Wesen befruchtet das andere, fördert das Wachstum und führt zu überraschenden Farbklecksen. Wurzeln geraten hierhin und dorthin und plötzlich blüht in einer Ritze etwas, das man ganz woanders vermutet hatte. Aber am Ende gibt es ein Ganzes.

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Koelle und die 40 Wächter

Wenn ich in meinem Elternhaus schreibe, weil ich bei meiner 95jährigen Mutter bin, dann stets unter den gestrengen Blicken meiner Vorfahren. Ich frage mich, was sie wohl von meiner Arbeit halten. Die Zeiten, in denen man der Meinung war, Romane lesen würde Frauen das Hirn vernebeln, sie schwach und süchtig machen, sind noch gar nicht so lange her. Andererseits sind meine Ahnen eine sehr bunte Mischung. Ich vermute, ihre Standpunkte wären ebenso vielfältig. Darunter war ein verurteilter Mörder, der seinen Nachbarn im Streit um eine Kuh mit der Mistgabel erstach. Ein junger Bursche, der mit wenigen Talern in der Tasche sein Glück in der Ferne suchte und eine Käsefabrik aus dem Boden stampfte. Auch eine begnadete Malerin gab es, die ihrer Kunst wegen ihre Kinder ignorierte. Einen Hofkantor, der ein Buch über die Flora Weimars schrieb und einen kaiserlichen Fasanenjäger. Die Geliebte eines Grafen, einen Schüler Luthers und einen Herrn, der sein Ostpreußisches Gut versoff und verspielte lange bevor es im Krieg verloren gegangen wäre. Wahrscheinlich fänden sie die heutigen Zeiten eher langweilig. Wer weiß? Dennoch scheinen mir ihre Blicke jedes Mal zu sagen: „Streng dich an! Es fällt einem nichts in den Schoß. Du hast es leichter als wir alle.“

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Fertig. Fix und.

Ein Sonntag, ein Sonnenaufgang, beides besonders, denn ich habe ein Manuskript beendet. Natürlich muss es noch in vielen Durchgängen überarbeitet werden, aber die Geschichte hat nach all den Monaten ihren Weg in die Worte gefunden, von Anfang bis Ende. Da ist dann immer eine Mischung aus Erschöpfung, Euphorie, Zweifeln, Fragen und Freude. Ich fühle mich ein wenig verloren, weil ich eine Welt geschaffen und mich dann mit dem Ende wieder hinausgekickt habe. Aber irgendwann ist eine Geschichte nun mal zuende. Und ich weiß ja, dass es anders wieder weitergeht und ich im nächsten Band wieder alte und neue Freunde treffen werde.

Ob es den Lesern gefallen wird, wird erst die Zeit zeigen, viel Zeit. Da hilft jetzt nur: Geduld. Und weitermachen. Überarbeiten, dabei Neues planen. Aufregend bleibt es, immer eine ungewisse Reise.

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Seelenappetit

Wenn das Jahr neu ist und der Weihnachtsbaum fort, dann kommt unweigerlich der Hunger nach Farben, eine tiefe Sehnsucht. Dann muss mit dem ersten Blumenstrauß die Vorfreude auf den Frühling anmoderiert werden. So weit entfernt ist der nicht. Nur ein erstes Schneeglöckchen weit, einen gelben Winterling, einen blauen Krokus. Ein paar Wochen, höchstens zwei Monate.

Freude über den Schnee, wenn er denn kommt, oder den Frost auf dem See und den Rauhreif an den Zweigen ist trotzdem da. Das ist kein Widerspruch. Beides geht durchaus zugleich. So ist der Mensch. Eine unserer guten und erstaunlichen Fähigkeiten.

Ja, und den letzten Kapiteln des Manuskripts verleihen sie auch Schwung, diese Farben. Sie haben so viel Energie.