Veröffentlicht in Garten, Leben, Natur

Was den Sommer bewegt

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Heute habe ich alte Freunde  wiedergefunden. Viele alte Freunde. SEHR viele. Sie sind auch auf dem Bild drauf, aber man kann sie nicht sehen, weil sie viel zu winzig und zu schnell zum Fotografieren sind, jedenfalls mit meiner Kamera.

Ich liege zwar öfter auf dem Bauch im Gras und sehe allerhand, aber aus irgendeinem Grund habe ich lange nicht mehr auf dem Bauch auf Steinfliesen gelegen. Heute ja – und da sausten sie wieder umher wie winzigkleine Murmeln: die eiligen roten Samtmilben. Wie früher. Als Kind hielt ich sie für die Blutkörperchem, die durch die Sommertage sausen und sie lebendig halten. Wenn die unzähligen roten Punkte auf den heißen Steinen kreisten, dann war es Sommer. Ein bißchen unheimlich waren sie, aber harmlos. Sie gaben mir das Gefühl, nicht allein zu sein. Ich bewunderte sie weil sie nie müde werden, offenbar genau wissen was sie wollen und wohin, und weil ihnen die Hitze auf den trocknen Steinen rein gar nichts ausmacht. Wovon leben sie nur, was suchen sie dort? Angeblich Insekteneier etc., aber so viele davon können dort doch nicht sein? So ganz bin ich mit den Wiki- und anderen Erklärungen nicht zufrieden, die Tierchen bleiben mir rätselhaft. Aber vertraut. Es ist schön, dass es sie noch immer gibt, nach all den Jahrzehnten seit ich sie das erste Mal mit Staunen betrachtete, und dass sie sich nicht verändert haben, weder in Aussehen noch Verhalten.

Wer weiß, vielleicht sind es eben doch die roten Blutkörperchen, die durch die Adern der Sommertage fließen.

Und die sind dann bei guter Gesundheit.

 

Veröffentlicht in Garten, Leben, Schreiben

Überraschungen…

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..hat der Garten täglich zu bieten. Keine Ahnung, wo diese eine Iris herkommt, aber sie ist wunderschön und lässt sich vom Regen überhaupt nicht beirren.

Ich habe derweil was Kleines, Albernes geschrieben. Mal sehen, was meine Testleserinnen sagen – und ob „mein“ Verleger sich entsetzt die Haare raufen wird. Wenn ich mich traue, es ihm zu schicken 🙂

Veröffentlicht in Leben, Natur

Pfingstglücklich

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Nach Erledigung aller Pflichten, die so im Tag herumliegen, hatte ich heute eine halbe Stunde für mich und habe mich auf den neuen geerbten Elektroroller geschwungen, in den ich mich total verliebt habe. Er heißt vom Werk aus „Tante Paula“, das steht auch drauf, und meine Versuche, ihm einen anderen Namen anzuhängen sind gescheitert – sie bleibt einfach Tante Paula.  Und erweist sich als erstaunlich geländegängig. Feldwege machen ihr nichts aus, nur Kopfsteinpflaster ist uns beiden unangenehm.

Der frühlingsgrüne Weg brachte mich schnell auf ein Lübarser Feld, dessen Anblick mir Stadthasserin unendlich wohl tat. Ein Feld ist und bleibt für mich ein  wundersamer Anblick, denn zu Mauerzeiten gab es nur Lübars, wo man in Berlin (West) so etwas sehen konnte. Und das war damals auf der anderen Seite der Stadt und ein sehr seltenes Vergnügen.

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Und auch den Sandweg quer durch das Feld schaffte Tante Paula prima. Ich fühlte mich wie eine Lerche oder ein Schmetterling, auf Flügeln eben, weil Tante Paula auch sehr leise ist und höchstens ein Hummelbrummen von sich gibt. Das Märkische Viertel im Hintergrund störte  ein wenig, aber ich war trotzdem zum Abheben glücklich.

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Sogar einen echten Misthaufen traf ich, einen Berliner Misthaufen, jawohl, und er roch ganz echt – für mich duftete er, nach Land nämlich und Platz zum Denken und Stille und Gespräche mit dem Wind und der Erde.

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Das Getreide im Gegenlicht war auch traumschön, ich hätte nur die richtige Kamera mitnehmen sollen statt nur des Handys.

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Hach. Herrlich. Dass ich keinen Führerschein habe, macht übrigens nichts – für Tante Paula braucht man keinen, wenn man vor 1965 geboren ist. Ich bin 1964 geboren. Glück muss man haben.

Und ich habe so viel davon!

Veröffentlicht in Garten, Leben

Auch wenn ich ein Mädchen bin…

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… kan ich Rosa überhaupt nicht leiden. Lila auch nicht. Aber: Im Frühling atme ich gern rosa Luft ganz tief ein, an genau dieser Stelle unter der Magnolie.
Meine Mutter erzählt oft, wie sie als Neunzehnjährige aus dem Krieg heimkehrte, auf der Flucht, und inmitten eines grauen Trümmerfeldes eine blühende Magnolie stehen sah.
„Da wußte ich, es gibt trotz allem immer noch Leben und Hoffnung“, sagte sie.
Jetzt ist sie 86. Die Magnolie, die sie in ihren Garten gepflanzt hat, ist mächtig und breit und wenn die Blütenblätter fallen, liegt ein weiter, strahlender Teppich auf dem Rasen.
„Mein Leben ist erfüllt“, sagte sie gestern. „Ich habe eine Magnolie gepflanzt und sie groß werden sehen – und alles, wofür sie steht.“
Die Magnolie, die ich in meinen Garten gepflanzt habe, muss noch wachsen, aber sie ist groß genug, um darunter zu stehen und unter blauem Himmel rosa Hoffnung zu atmen.

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Hellgrüne Wege

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Wie kommt es, dass Wege, die man hundertmal und mehr gegangen ist, im Frühling so verzaubert wirken als hätte man sie noch nie gesehen?
Es beglückt mich jedesmal noch mehr als im Vorjahr und ich fühle mich selbst so neu dabei 🙂