Veröffentlicht in Leben, Schreiben

Wunderwerke

Ich habe mich lange gescheut vor Videogesprächen oder – Konferenzen. Für introvertierte Menschen wie mich ist selbst telefonieren oft etwas, was wir sehr ungern tun. Das nun auch noch mit Bild!? Und was, wenn die Technik zickt? Reicht die Beleuchtung im Zimmer? Undsoweiter undsofort spukt alles mögliche im Kopf herum. Aber irgendwann ging es nicht anders. Da war die Pandemie, da war die räumliche Distanz, da waren Dinge, die mit dem Verlag besprochen werden mussten. Und Menschen, die ich wirklich sehr sehr gern kennenlernen wollte, und wenn es eben nur auf diesem Wege ging.

Was soll ich sagen. Diese technischen Errungenschaften, die zu Zeiten der Kultserie Raumschiff Enterprise, mit der ich aufgewachsen bin, pure Utopie waren und über die man sich zugleich amüsierte und sich erträumte, die halte ich jetzt für Wunderwerke. Für meine Generation ist sowas nicht selbstverständlich, und ich finde es schön, dass dem für mich immer eine Magie anhaften wird, auch wenn ich weiß, wie es technisch zusammenhängt. Da bleibt immer ein Staunen, dass so ein Videogespräch so zwanglos funktioniert. Wie einfach es ist. Wie gut es klappt, und was für Möglichkeiten es eröffnet. Kreative Zusammenarbeit, Begegnungen. Es macht manch unnötigen Weg überflüssig, verhindert vielleicht Missverständnisse, kürzt Arbeitsprozesse ab, fördert Lernsituationen, spart Papier und Zeit, schafft Raum für Teamwork.

Telefonieren wird nie meine Lieblingsbeschäftigung sein. Ich schreibe lieber, als zu reden. Aber ich bin dankbar für diese neuen Perspektiven. Und habe mir wieder mal bewiesen, wie wichtig es ist, auch mal über seinen Schatten zu springen, selbst wenn man kein Grashüpfer ist.

Veröffentlicht in Leben, Natur

… und trotzdem

…wird es Frühling! Wieder einmal geschieht in Teilen der Welt Unfassbares, für das ich die Worte gar nicht erst suchen will. Es gibt keine für das, was ich sagen würde. Da kommt immer wieder das Gefühl der Hilflosigkeit auf, zusammen mit Wut. Und auch mit der Frage: Ist es eigentlich noch richtig, Geschichten zu erzählen? Wenn es doch so viel Wichtigeres gibt?

Dann hilft nur noch ein Spaziergang, ein Rausgehen, eine kleine Befreiung. „Einmal um den Pudding“ sagte meine Oma, geboren 1900. (Komisch, warum Pudding? die Frage habe ich damals nie gestellt. Sie hatte zwei Kriege erlebt, ihren Mann im zweiten verloren. Sie blieb immer gelassen, so wie man es ihr anerzogen hatte. Später hat sie das manchmal bereut, hätte sich im Nachinein mehr Leidenschaft gewünscht im Leben und brannte, fast neunzigjährig, spontan für einen kostbaren Tag mit ihrem Kurarzt durch.)

Auf diesem Spaziergang begegnet uns der Frühling, und aus der kleinen Befreiung wird eine große, denn groß in der Wundersamkeit ist jede dieser erstaunlichen, entschlossenen Knospen, das emsige Tun und Zwitschern der Vögel, die windstille Atmosphäre gespannter Erwatung vor dem großen Wachsen und ausgelassenen Blühen. Alles vibriert vor Leben, das im Begriff ist, wiederaufzuerstehen. Da ist ein Schwarm Schneeglöckchen, jedes Jahr dichter, das nicht welken will und sich selbst im hellen, klaren Spiegel des Fließens betrachtet.

Da ist eine verhangene Sonne, die einen ernsten und ermunternden Zauber auf einen Zweig wirft, der noch kahl ist, aber voller Pläne in den Trieben.

Und ich denke: Ja, wir müssen weiterhin Geschichten erzählen, gerade jetzt. Müssen die Bilder genießen. Müssen das Leben feiern, wo es geht, auch für die, die es gerade nicht können. Damit es lebendig bleibt, damit seinen Wurzeln nicht der Saft entzogen wird. Geschichten erzählen von der Menschlichkeit, mit Höhen und Tiefen, Größe und Abgründen, und diese unsere Menschlichkeit gilt es festzuhalten und immer wieder neu zu erzählen, auf dass sie uns nicht verlorengehe. Denn sie besitzt die Kraft und Unermüdlichkeit, sich immer wieder neu zu erfinden. Wie der Frühling.

Veröffentlicht in Leben

Post, die Hoffnung macht

Heute flatterte mir die Mail einer Leserin in den Posteingang. Sie schrieb, sie hätte den zweiten Band der Ostseetrilogie in ihrer Bücherei ausgeliehen. Und da hätte jemand das Rezept für Nicholas‘ Suppe einfach herausgerissen und mitgenommen. Nun bat sie mich, ihr eine Kopie der Seite zu schicken, damit sie diese ausdrucken und wieder in das Buch einkleben könne.

Das habe ich natürlich gern getan. Und es hat mich berührt. Dass da sich jemand entschlossen daran macht, eine im Grunde unbedeutende Kleinigkeit in seiner Umgebung ohne Aufhebens wieder in Ordnung zu bringen. Einfach so. Wenn wir das alle täten, egal worum es geht, wäre die Welt ein ganzes Stück besser. Das macht mir Hoffnung, gerade jetzt. Ich habe die Hoffnung in die Menschen noch nie aufgegeben. Und doch tut es gut, so etwas zu erleben, weil es nämlich zeigt, dass meine Hoffnung begründet ist.

Danke, Britta.

Veröffentlicht in Leben

Stürmische Recherche

Zwischen zwei Manuskripten gilt es zu recherchieren, auch vor Ort. Ebenso aber, auch mal an einem Lieblingsort den Kopf freizubekommen. Recherche bei Sturm gestaltet sich schwierig, dafür pustet der Wind wirklich alle Spinnweben aus dem Gehirn.

Wenn dann am Lieblingsort noch der Lieblingsmensch dabei ist und die tiefe Freude an der Schönheit unseres Landes teilt, dann fehlen auch einer Schriftstellerin die Worte. Außer vielleicht: DANKE!

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Horizonterweiterung

Ich feiere den Anfang eines neuen Projekts mit einer Verbesserung des Arbeitsplatzes: Neuer Monitor! Da eröffnen sich Welten. Dazu eine schöne, stabileTastatur mit Erleuchtung, einem leisen, weichen Anschlag, einer Taste zum Diktieren und einer für Screenshots. Alles was ich für die Recherche und das Schreiben brauche. Der schöne Nebeneffekt ist, dass ich auch die Fotos meines Lebensfreudegefährten auf dem großen Bildschirm besser sehen kann. Vor allem mit der neuen Arbeitsbrille.

Das alles hat mir soviel Schwung gegeben und Mut gemacht, dass ich heute das Exposé von Band 2 an den Verlag geschickt habe. Nun bin ich gespannt, was wir zusammen wieder für eine Geschichte weben werden.

Veröffentlicht in Leben

Wieder Menschen zusammenbasteln


Einen Plan für ein neues Buch machen ist wie eine der Lachmöwen in dem Gewusel über längere Zeit im Blick zu behalten. Die Menschen tauchen von selbst in meinem Kopf auf oder stammen aus einer vorherigen Geschichte, und sie erzählen mir mit Nachdruck, Selbstbewusstsein und Deutlichkeit ihr Leben. Aber das alles zusammenzubekommen, so dass es ein verständliches Bild ergibt, und zu verstehen, wie es zeitlich zusammenpasst – das ist ein Rätsel, das mir anfangs den Schweiß auf die Stirn treibt und anstrengende Träume verursacht. Ein tausend-Teile-Puzzle auf dem Teppich des Gehirns. Ein dreidimensionales Gebilde, auf welches das Licht immer wieder anders fällt, je nach Laune der teilnehmenden Personen. Kaum glaube ich, den Überblick zu haben, stellt sich heraus, dass jemand fehlt. Oder es kommt ein ganz anderer hereinspaziert. Und diesmal sind zwei wichtige Dinge verschwunden und keiner der Handelnden verrät mir, wie es dazu kommen konnte.

Aber am Ende steht eines Tages immer ein fertiges Buch. Weil diese Menschen in der Geschichte mir helfen, alles zusammenzusetzen, und keine Ruhe geben, ehe es nicht gelungen ist.

Also hier mal ein vorsichtig hoffnungsvolles Dankeschön an alle, die hier gerade in meinen Gedanken durcheinanderlaufen und quasselnd vordrängeln. Fahrt die Ellenbogen ein, sprecht leiser und stellt euch geduldig an. Dann wird das schon.

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Spuren legen

Ehe ich das Manuskript abgebe, gilt es, noch ein Samenkorn hineinzupflanzen, aus dem Band 2 entstehen könnte. So eine Buchreihe, das ist wie ein Garten. Ein Detail oder Wesen befruchtet das andere, fördert das Wachstum und führt zu überraschenden Farbklecksen. Wurzeln geraten hierhin und dorthin und plötzlich blüht in einer Ritze etwas, das man ganz woanders vermutet hatte. Aber am Ende gibt es ein Ganzes.

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Koelle und die 40 Wächter

Wenn ich in meinem Elternhaus schreibe, weil ich bei meiner 95jährigen Mutter bin, dann stets unter den gestrengen Blicken meiner Vorfahren. Ich frage mich, was sie wohl von meiner Arbeit halten. Die Zeiten, in denen man der Meinung war, Romane lesen würde Frauen das Hirn vernebeln, sie schwach und süchtig machen, sind noch gar nicht so lange her. Andererseits sind meine Ahnen eine sehr bunte Mischung. Ich vermute, ihre Standpunkte wären ebenso vielfältig. Darunter war ein verurteilter Mörder, der seinen Nachbarn im Streit um eine Kuh mit der Mistgabel erstach. Ein junger Bursche, der mit wenigen Talern in der Tasche sein Glück in der Ferne suchte und eine Käsefabrik aus dem Boden stampfte. Auch eine begnadete Malerin gab es, die ihrer Kunst wegen ihre Kinder ignorierte. Einen Hofkantor, der ein Buch über die Flora Weimars schrieb und einen kaiserlichen Fasanenjäger. Die Geliebte eines Grafen, einen Schüler Luthers und einen Herrn, der sein Ostpreußisches Gut versoff und verspielte lange bevor es im Krieg verloren gegangen wäre. Wahrscheinlich fänden sie die heutigen Zeiten eher langweilig. Wer weiß? Dennoch scheinen mir ihre Blicke jedes Mal zu sagen: „Streng dich an! Es fällt einem nichts in den Schoß. Du hast es leichter als wir alle.“

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Spannung am Ende

Noch nicht 5 vor 12 beim Abgabetermin, aber bald. Es ist alles im Plan. Ich bin fast fertig mit der ersten Überarbeitung des Manuskripts für Band 1 der nagelneuen Reihe. Diese Überarbeitung ist bei aller nötigen Konzentration manchmal das Schönste und sehr spannend für mich. Dann gilt es, Glanz und Wärme in den Text zu bringen, Unebenheiten aufzuspüren und lose Enden zu verknüpfen. Und ich kann noch einmal viel Zeit mit meinen neuen Freunden verbringen, ehe ich sie loslassen muss.

Veröffentlicht in Leben, Natur

Himmelsmusik

Grau war es heute über Brandenburg, und nicht nur heute. Aber wir haben uns aufgeschwungen, raus aus der Stadt, frische Luft tanken, warum nicht auch im Nebel. Kalt war es aber, sehr, an den Füßen und Händen und der Nase. Und dann doch ein gewaltiges, unerwartetes Erlebnis: Eine Musik wie aus dem Nichts, mit einem geheimnisvollen Echo in der feuchten Luft, dann das Rauschen von Schwingen. Unzählige Singschwäne, so noch nie erlebt! Obendrauf dann noch endlose Formationen von Gänsen, die es auf dieselben Rastplätze abgesehen hatten. Ein Strudel aus Leben, aus Rufen, aus Luftakrobaten, aus Schönheit, Leben pur. Da steht man und staunt, fühlt sich klein, aber groß beschenkt. Unvergeßlich.